August
2026

Vergesst nicht, Gutes zu tun.

Hebräer 13,16

»Gebt euer Wasser nicht mehr her. Das ist für euch.«, warnte uns unser Vermieter am Ende eines langen Tages, an dem unzählige Liter durch unseren Schlauch geflossen waren. Mit einer solarbetriebenen Pumpe wird das Wasser aus etwa 24 Metern Tiefe hinaufgeholt.

Als wir vor einigen Monaten in dieser Wüstenstadt ankamen, waren wir die mysteriösen Fremden. Wenn die muslimischen Nachbarskinder mit unseren eigenen spielen wollten, wurden sie von ihren Müttern zurückgerufen. Wenn ich den Kindern als kleines Geschenk Datteln zusteckte, brachten sie diese wieder zurück. Die Frauen sahen weg und grüßten nicht, wenn ich an ihnen vorbeiging. In ihren Augen war ich eine Ungläubige – und dazu noch weiß. Weiße Menschen kannten sie nur aus Filmen.  

Doch Stück für Stück begann das Eis zu schmelzen. Die erste Nachbarsfamilie fragte  an, ob sie unseren Brunnen benutzen dürfe – sie besaßen selbst keinen und die Handpumpe am Ende der Straße war nur mit viel Mühe zu bedienen. Andere Familien folgten, denn Wasser war eine Kostbarkeit. Eine Familie musste sogar den Bau ihrer Mauer unterbrechen, weil ihnen selbst das Wasser zum Zementmischen fehlte. Und plötzlich entstanden erste Kontakte zu den Nachbarn und die ersten Kinder spielten mit unseren Kindern.

Neulich waren es schon elf Familien, die Wasser brauchten. Stundenlang wurde unser Gartenschlauch von Hof zu Hof gereicht – bis kein Wasser mehr kam. Die Nachfrage war zu hoch für unseren Brunnen.  
Was sollten wir nun tun? Sollten wir den Nachbarn kein Wasser mehr geben? Das war für uns keine Option.

Also suchten wir nach Wegen, großzügig zu teilen, ohne selbst auf dem Trockenen zu bleiben.  

Um uns herum herrscht neben der für eine Wüstenregion typischen Trockenheit auch eine geistliche Dürre. Wir wünschen uns, dass wir auch das Wasser weitergeben dürfen, das Jesus der Samariterin schenkte: lebendiges Wasser. Deshalb lernen wir die einheimische Sprache und suchen nach Gelegenheiten, den Menschen zu dienen und ihnen Gutes zu tun – sei es durch unseren Beruf, durch den wir medizinische Hilfe leisten können, oder ganz praktisch im Alltag durch das Teilen unserer Ressourcen oder unserer Aufmerksamkeit.  

Während wir nun mit unseren Nachbarn die Vereinbarung getroffen haben, dass sie unser Wasser im Wechsel nutzen können, sind wir dankbar, dass wir das lebendige Wasser aus einer Quelle schöpfen dürfen, die nicht versiegt.  

Betet bitte für viele Gelegenheiten, dieses Wasser großzügig teilen zu können.