Januar
Siehe, nun mache ich etwas Neues. Schon sprießt es, merkt ihr es nicht? Ich lege einen Weg an durch die Wüste.
Jesaja 43,19
»Ihr seid die Erfüllung meines Traums!«
Mit diesen hoffnungsvollen Worten lädt uns der Dorfchef zu sich in sein Dorf ein. Es ist eines der vielen, typischen kleinen Dörfer der Volksgruppe der Kanuri Manga, die hier unter den widrigen Bedingungen der Sahelzone leben.
Eine große Matte wird in den sandigen Boden vor dem kleinen Lehmhaus ausgebreitet und der Dorfchef fordert uns freundlich auf, uns zu setzen. »Wie geht es der Familie? Wie geht es der Arbeit und der Gesundheit? Was machen die Hitze, die Müdigkeit und die Geduld?« So beginnen sie, die üblichen Begrüßungen und immer lautet die Antwort: Alles ist gut, »Allah sei Dank«.
Das Interesse der Dorfbewohner ist groß und sie fragen nach den Ländern, aus denen wir kommen und dem Leben dort in der westlichen Welt, die hier – mitten im Nirgendwo am Rande der Sahara – so weit entfernt scheint. Nachdem die Begrüßungen ausgetauscht und die neugierigen Kinder und Erwachsenen wieder in ihre Häuser und Hütten zurückgegangen sind, beginnt der Dorfchef uns zu erklären:
»Vor längerer Zeit hatte ich einen Traum: Drei weiße Männer sind in unser Dorf gekommen, um mir eine wichtige Botschaft zu überbringen. Und ich denke, Ihr seid die Erfüllung meines Traums!« Gespannt schaut er uns an.
Es ist ein seltener und kostbarer Moment, als wir beginnen dürfen, von dem zu erzählen, was unser Leben so radikal verändert hat. Davon, dass der allmächtige, heilige und gerechte Gott den Menschen so sehr liebt, dass er selbst einen Weg zu sich bereitete. Dass wir als Menschen Schande über Gott gebracht haben und dass keine menschliche Anstrengung diese Schande entfernen konnte. Aber dass Gott die Verlorenheit der Menschen sah und in all seiner Liebe und Gnade selbst für sie bezahlte. Dass er sein Leben gab, damit wir leben könnten.
Viele Fragen kommen im Laufe des Abends auf und wir merken, wie fest und hart die unsichtbaren Mauern von Kultur und Religion im Herzen des Dorfchefs verankert sind. Aber es ist ein Anfang und wir spüren, dass Gott am Wirken ist. Wie dankbar sind wir zu wissen, dass wir einen Gott haben, der selbst in der trockensten Wüste Wasserbäche bereitet, dem kein Herz zu hart und kein Mensch zu weit entfernt ist.
Als wir in unser Auto steigen und den Weg zurück in die Stadt antreten, ist es bereits dunkel geworden. Das Dorf verschwindet langsam im Rückspiegel und wir beten, dass wir bald wiederkommen können. Es wird viel Zeit, Vertrauen und Beziehung brauchen, um weiter in das Leben dieses Menschen hineinsprechen zu dürfen. Doch es ist ein Privileg, ein Teil des Werkes sein zu dürfen, das Gott auf so wunderbare Weise begonnen hat.
Nachtrag
Nicht lange nachdem der Beitrag verfasst wurde, mussten alle ausländischen Arbeiter das Land verlassen. Betet diesen Monat mutig und hoffnungsvoll mit uns, dass sich die Türen in das Land wieder öffnen. Betet auch für den Dorfchef, der stellvertretend für die Menschen steht, die bereits jahrelang auf die Erfüllung des Traumes gewartet haben, vom Evangelium zu hören. Sie sollen nicht weitere Jahre warten müssen.