Juni
2026

Wenn euch der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.

Johannes 8,36

»Bei uns?«, frage ich meine Kollegin, die völlig außer Atem in meinem Büro erscheint. »Ja, im Unterrichtsraum«, antwortet sie aufgeregt.  

Amina, eine muslimische Kollegin, blickt kurz von ihrer Arbeit auf. »Ah, sie sind wieder da«, sagt sie beinahe beiläufig – und arbeitet unbeeindruckt weiter.

Für die Menschen auf unserer Insel gehören Hexerei und okkulte Praktiken ganz selbstverständlich zum Leben dazu. Für Amina ist es nicht das erste Mal, dass sie miterlebt, wie im Namen Jesu gebetet wird und wie Menschen daraufhin Erleichterung erfahren und Dämonen weichen.

Wir laufen los. Als wir ankommen, betet die lebenserfahrene Pastorenfrau bereits für eine der Nähschülerinnen. Die junge Frau hatte im Spiegel ihre verstorbene Großmutter gesehen, welche ihr einen Fluch gegen das Lernen auferlegt hatte.  

Okkultismus auf unserer Insel – ein kurzer Hintergrund

Die spirituelle Welt ist auf unserer Insel so sehr Teil des Alltags, dass okkulte Erfahrungen für die Menschen normal sind. Geister werden angerufen, um Segen, Schutz und Heilung zu erhalten – aber auch, um anderen zu schaden oder sich zu rächen. Zauberer können gegen hohe Bezahlung Flüche wenden oder Probleme »lösen«.

Befreiung durch das Gebet von Christen wird häufig gerne angenommen, bleibt jedoch oftmals ohne tiefere Wirkung. Sie wird als eine von vielen spirituellen Möglichkeiten gesehen. Dass Gott eine Freiheit schenken möchte, die über äußere Erleichterung hinausgeht und das ganze Leben verändert, ist für viele schwer nachvollziehbar.

Seit Jahren beobachtet Amina uns, hört aufmerksam zu und stellt kluge Fragen. Vor kurzem sagte sie in einem Gespräch, es sei wichtiger, von Herzen zu glauben, als ein Regelwerk einzuhalten – Regeln, die für sie als muslimische Frau ohnehin zum Nachteil seien. In diesen Momenten haben wir Hoffnung, dass sie anfängt zu verstehen, was Gnade bedeutet. Im nächsten Moment wiederum zuckt sie resigniert die Schultern mit den Worten: »Aber so ist das nun mal für uns afrikanische Frauen.«  

Als gäbe es keine Hoffnung für sie.  
Als gälte das Angebot, wirklich frei zu werden, nicht auch ihnen.

Gott selbst hat Geduld mit den Menschen. Er will nicht, dass jemand verloren geht, sondern dass alle Gelegenheit zur Umkehr haben (vgl. 2. Petrus 3,9). Deshalb sind wir hier. Deshalb teilen wir unser Leben mit Nachbarn, Kollegen und Freunden – manchmal still in Aufgaben vertieft, manchmal im Gespräch, oft im Zuhören und Mitfühlen. Und wir beten für sie.  

Viele von ihnen hören, aber verstehen nicht.  
Sie sehen, aber erkennen nicht.  
Was hält sie ab?

Wir wünschen uns echte Freiheit für die Menschen – nicht nur die Befreiung von einem einzelnen Fluch. Immer wieder ringen wir darum, wann es dran ist, mutig auf Jesus hinzuweisen und wann es dran ist, in kleinen Dingen treu zu sein und ihn durch unser Leben sprechen zu lassen.  

Betet deshalb um Mut für uns – das Leben und die Hoffnung großzügig zu teilen, in Worten und in Taten.  
Und betet um einen Hunger nach der Freiheit, die Jesus anbietet – echte Freiheit!  

Damit Menschen Gottes Autorität erkennen und verstehen, dass sein Wunsch echte und bleibende Freiheit ist, braucht es unser Gebet.