März
Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid.
Matthäus 11,28
Ich sehe, wie sie ihre eigenen Kinder schlägt – während ihr Körper noch die Wunden früherer Misshandlungen trägt.
»Mein Mann kümmert sich nicht. Er lässt uns im Stich.«
Noch während sie spricht, spüre ich, wie mein Herz bricht.
In diesem Poetry Slam nimmt unsere Mitarbeiterin uns mit in das, was das Leid um sie herum in ihr auslöst. Sie erzählt von der ungeschönten Realität geflüchteter Menschen aus einem zerbombten Land, von der Angst einer Ehefrau, die ihrem Mann keine Kinder schenken kann, und von Kindern, die den Schmerz ihrer Eltern mittragen müssen.
Ein ehrlicher Einblick in Mitgefühl, Hilflosigkeit und gleichzeitig Hoffnung, wie man trotz allem Kraft findet, weiterzumachen.
Hör rein. Es ist ein Text, der berührt und nachhallt.
Und mein Herz bricht (Textfassung)
Ich sehe sie
Eine Mutter, mit ihren Kindern allein zuhaus
Immer das gleiche, Tag ein – Tag aus,
Beschäftigt sie die Frage: Woher nehmen und nicht stehlen?
Wie die Bedürfnisse ihrer Kinder stillen?
Diese Kinder die Gott ihr zum Geschenk gemacht hat
Doch dabei wohl nicht bedacht hat
Dass sie niemals Kinder wollte und sollte sie doch welche haben,
Dann zumindest auch Geld, Haus, Essen, all diese Gaben
Doch damals stellt niemand Fragen
Ob sie denn überhaupt heiraten wollen würde
»Ehefrau sein ist unsere Bürde«
Erklärt sie mir und ich will gar nicht wissen was das heißt
Denn das bisschen was ich sehe gibt schon genug preis.
Der allzu dünne Geduldsfaden, der bei jeder Kleinigkeit reißt
Beschimpfungen und Schläge,
statt Umarmungen und Nähe
Eine Mutter die ihre Kinder unendlich liebt
Und dennoch Stimme und Hand gegen sie erhebt
»Du Hund! warum hörst du mir nicht zu?
Halt den Mund, Dreckstück – gib ruh!«
Ich sehe wie sie ihre eigenen Kinder schlägt
Während sie noch die Wunden alter Misshandlungen mit sich trägt
»Mein Mann kümmert sich nicht,
er lässt uns im Stich.«
Und noch während sie spricht
Merke ich wie mein Herz bricht.
Ich sehe es
Ein Land im Krieg versunken
Seine Bevölkerung verschwunden.
Millionen von Menschen nun in Lagern die kein Ende finden
Alte Männer, kleine Jungs, Mütter von hungernden Kindern
Vor wenigen Jahren noch Revolution auf den Straßen
Nun ist jede Hoffnung auf eine Zukunft weggeblasen
Oder eher weggesprengt durch Drohnen und Raketen
Vertrieben von Männern mit Gewehren und Macheten
Sudan liegt am Boden, doch es wird noch nachgetreten
Generäle die so sehr nach Macht gieren,
dass sie Bodenschätze plündern und in Waffen investieren
die Zukunft ihres Landes aufs Spiel setzen
Und ihre Schwerter wetzen,
während die Kinder in Fetzen
Und mit leeren Bäuchen zu Grunde gehen
Und die Mächtigen stehen da und sehen einfach zu
Wie die Ohnmächtigen sich einfach nur
Wünschen ihr Leben zu leben
Was würden sie nur dafür geben
Sich endlich mal wieder satt zu essen
Die Leichen auf den Straßen zu vergessen
Diese Erinnerungen an denen sie mächtig tragen
Die Albträume die sie nächtlich plagen
Doch der Krieg findet keine Wende kein Ende
Und so bleiben sie als Flüchtling in der Fremde
Und in all dem,
will auch die Welt nicht hinsehen
Keine Presse, kein globaler Aufschrei
Ganz unter dem Radar ist dieses Land dabei
Zur größten humanitären Krise der Welt zu werden
Wie viele müssen denn noch sterben?
Frage ich mich
Und mein Herz bricht
Ich sehe sie
Eine Frau in ihrer Religion gefangen
Gottes Weg zu folgen ist ihr einziges Verlangen
Trägt ihr Kopftuch aus Stolz und nicht aus Zwang,
Wirft sich täglich fünfmal nieder
Spricht: »Gott ist groß«
immer und immer und immer und immer wieder
Ihr Ziel: Gott zu gefallen
Doch vor allem
Auch ihrem Mann
Bei dem sie dann und wann
Aber auch Angst hat, dass er sich bald eine zweite Frau nimmt
Denn seit Jahren gibt sie ihm alles – außer ein Kind
Er kann frei über sie verfügen
Doch sie weiß sie wird ihm niemals genügen,
schon bald wird er sich mit einer anderen vergnügen
Und auch wenn sie es nicht versteht
Weiß sie was in ihrem Buche steht
Männer dürfen das, es ist ihr Recht
Er ist als König geschaffen, sie als Knecht
Wenn ich meine Rolle nur gut genug erfülle…
Denkt sie, doch weiß: ihre Ehe ist nur eine Hülle
Er lügt sie an, sie versucht ihn zu manipulieren
Würde niemals ihre Zweifel laut formulieren
Stattdessen wirft sie sich tiefer ins rezitieren, studieren, respektieren
ihrer Religion
die sie schon
ihr ganzes Leben begleitet,
sie jeden Schritt des Weges leitet.
Und sie hofft so sehr, dass sie sich nicht irrt,
dass sie eines Tages genügen wird,
dass auch wenn Gott sie nicht erwählt oder liebt,
er doch ihre guten Taten zählt und sieht,
und ihr all das Schlechte vergibt.
Sie sitzt im Dunkeln und sie sieht kein Licht
Ich sitze daneben und mein Herz bricht
Ich sehe mich um
Um mich herum, so viel Leid und Schmerzen
Wo ich auch hinsehe: Gebrochene Herzen.
Ich rufe zu Gott: Siehst du das nicht?
Und höre seine Stimme: Auch mein Herz bricht!
Eben weil ich ihre Schmerzen sah,
ging ich für sie nach Golgatha
und da
war ich es der alles für sie gab.
Meine Liebe für sie lässt sich durch rein gar nichts dämpfen
Und ich werde immer für sie weiterkämpfen!
Für sie hab ich mein Leben gelassen
und darauf kannst du dich verlassen:
Ich hab sie nicht vergessen!
Stattdessen
Will ich dich gebrauchen um ihnen diese Botschaft zu bringen,
sodass auch sie eines Tages von meiner Liebe singen
Schein dein Licht
Teile die Gute Nachricht
Und gib mir dein Herz, wenn es bricht.
Ich weiß du schaffst das nicht allein, das musst du ja auch nicht.
Es gibt ja noch mich.
Ich bin auch da
Und ich war es, der diese Frauen zuerst sah.
Ich kenne sie, sie sind meine Kinder,
vertraust du mir auch, dass ich mich gut um sie kümmer?
Ich sehe ihn
Und ich merke nur zum Teil,
Wird mein Herz ein Stückchen heil