Mai
2026

Glücklich zu preisen sind die, die arm sind vor Gott: Ihnen gehört das Himmelreich.

Matthäus 5,3

»Glaubst du wirklich, dass man nicht durch gute Werke gerettet wird?«  

Mit großen Augen sieht Edin mich an. Wegen seiner körperlichen Behinderung ist er auf Hilfe angewiesen und kann sich nur eingeschränkt bewegen. Es macht ihn traurig, dass er kaum etwas für Gott tun kann – sein Körper steht ihm im Weg. Dabei bemüht er sich so sehr, ein Leben zu führen, das Gott gefällt und er hofft, dass es am Ende reicht. Dass Gott ihn trotz seiner Einschränkungen annimmt. Dass er nicht wie so oft im Leben im Nebenzimmer bleiben muss, sondern dass er dabei sein darf. Mittendrin.  

Die Vorstellung, dass Gottes Gnade unabhängig ist von dem, was er leisten kann, ist für ihn neu. Wenn der Himmel nicht nur denen offensteht, die fasten, beten und alle Regeln einhalten – gibt es dann vielleicht auch für ihn Hoffnung?

Edin lebt in Bosnien, einem kleinen Land auf dem Balkan, reich an Natur und Traditionen, aber auch gekennzeichnet von den Narben des Krieges in den 90er Jahren. Die Gesellschaft ist gespalten und von Misstrauen zwischen den drei Religionsgruppen geprägt. Katholische Kirchen, orthodoxe Kirchen und Moscheen stehen an manchen Orten dicht beieinander, doch die jeweiligen Besucher gehen einander weit aus dem Weg. Vorwürfe und gegenseitiges Misstrauen prägen das Miteinander – das spüren auch wir Ausländer.  

Und doch treffen wir hier auf Menschen, die uns mit offenen Armen begegnen. Sie verstehen meist wenig von den Konflikten und tragen Freude in sich, obwohl sie es in ihrer Gesellschaft keinesfalls leicht haben. Kinder wie Edin kennen es, ausgegrenzt zu sein, im Nebenzimmer vor den Fernseher gesetzt zu werden und die Stimmen der Gäste nur gedämpft zu hören. Menschen mit Behinderungen haben kaum Zugang zu Bildung und können auch am normalen Leben nur begrenzt teilnehmen, weil es wenig barrierefreie Zugänge gibt. Auch Scham spielt dabei eine Rolle.  

Gerade diesen Kindern und ihren Familien wollen wir dienen. Wir besuchen sie, spielen mit ihnen, hören zu, lachen zusammen. Und manchmal – wenn ein Kind strahlt, weil sich jemand ihm zuwendet – erinnert mich das an das Gleichnis vom großen Festmahl, das Jesus erzählt hat: Die Eingeladenen sagen ab, doch die Kranken, Armen und Ausgegrenzten werden hereingeholt – und sie kommen voller Freude.

Unsere Vision ist es, Menschen, die Ausgrenzung erleben, erfahren zu lassen, welchen Wert sie für Jesus haben. Wir wollen sie mit der heilenden und liebenden Botschaft Jesu bekannt machen, die nicht davon abhängt, was wir leisten können. Edin hat zum ersten Mal davon gehört. Was wird diese Wahrheit in seinem Leben verändern?