November
2026

Er wird alle ihre Tränen abwischen.

Offenbarung 21,4

Während ich etwas unbeholfen den klebrigen Teig von meinen Händen kratze, lachen meine Nachbarin und ihre Töchter aus vollem Hals. »Nein, nein, so macht man das nicht«, ruft sie und hebt den Teig vom Boden auf. »Du teilst lieber die Stücke, ich mache den Rest.« Für einen Moment fühle ich mich wieder wie ein Kind in der Küche meiner Mutter, als ich »mithelfen« durfte und kleine Teigkugeln zu irgendetwas formte, während unter ihren Händen wunderschöne Plätzchen entstanden. Auch ich muss lachen. Allein, dass ich hier sitzen und mir die Hände schmutzig machen darf, empfinde ich als große Ehre.  

Meine Nachbarin und ihre Töchter treffen sich regelmäßig, um das Brot ihrer Heimat zu backen. Vor zehn Jahren mussten sie fliehen; dieses Ritual trägt Erinnerungen, Trost und ein Stück Identität mit sich. Als ich fragte, ob ich einmal zusehen und lernen dürfe, stimmten sie überraschenderweise zu. Heute bin ich nicht nur Gast, sondern Teil der Familie. Gäste werden bedient – Schwestern helfen mit.

Ich beobachte, wie geschickt meine Nachbarin den von mir portionierten Teig in die Luft wirft und zu dünnen Fladen formt. Die Stimmung ist leicht. Wir lachen, necken uns, und für einen Moment tritt die Schwere ihres Lebens in den Hintergrund.

Als ich die leeren Schüsseln in die Küche trage, protestiert keine der Schwestern wie sonst. Auch nicht, als ich das neugeborene Baby auf den Arm nehme und die müde Mutter bitte, sich kurz auszuruhen. Mein Herz läuft über vor Freude. Ich möchte den Menschen dienen, nicht bedient werden – so, wie Jesus es vorgelebt hat. Und ich bete, dass sein Licht durch mich in dieses Haus scheint.  

Als Team ist es unser Anliegen, unser Leben, unseren Alltag und unser Herz mit den Geflüchteten zu teilen, die heimatlos sind und kaum Hoffnung und Perspektive für eine bessere Zukunft ihrer Kinder haben. Mit dem Regierungswechsel in ihrem Heimatland gab es ein kurzes Aufkeimen neuer Hoffnung. Doch auch dieser Moment war schnell vorbei und wurde von größerer Schwere ersetzt, weil sich nun die Situation für sie in unserem Land noch weiter erschwert hat und eine Rückkehr nicht für alle möglich ist. Unser Anliegen ist es, dass diese Menschen, die wir lieben, im Alltag Momente des Durchatmens erleben. Wir können ihnen keine Perspektive für eine bessere Zukunft hier auf der Erde bieten, aber wir können trotzdem Hoffnung schenken. Im Kleinen und im Großen. Wir wollen sie besuchen, gemeinsam lachen und kleine Freudenmomente teilen. Gleichzeitig wollen wir auf den hinweisen, dem all ihr Leiden nicht entgangen ist. Wir wollen die hoffnungsvollen Worte mit ihnen teilen, dass er eines Tages alle Tränen abwischen wird und in seiner Gegenwart tiefe und echte Freude möglich ist.