Oktober
2026

Selig sind die, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden

Matthäus 5,9

Während über uns die Raketen fliegen, schreibe ich das Wort Versöhnung auf arabisch. Die Raketen gelten nicht uns; sie fliegen über uns hinweg und sollen unser Nachbarland treffen. Trotzdem sind wir mittendrin. Ich schaue aus dem Fenster und sehe die Spuren am Himmel, die von den Raketen hinterlassen wurden. Frieden und Versöhnung, die von unserem Land in die gesamte Region ausstrahlen – selten schien dieser Wunsch ferner als heute.

Noch während ich das denke, spricht eine junge Studentin mich an.

»Ihr habt recht mit dem, was ihr sagt«, bemerkt sie. Ich lege meinen Stift zu Seite und wende mich ihr zu. Ich kenne sie gut, denn sie hat uns als Übersetzerin bei der Entwicklung des Materials zum Thema Versöhnung geholfen. Sie erzählt, wie sie an der Uni tief verletzt wurde. Es wurden Dinge über sie gesagt, die nicht stimmten. Nachts konnte sie aus Verzweiflung kaum schlafen. Dann hörte sie ganz deutlich das Wort »Versöhnung«. Sie entschied sich, zu vergeben, so wie sie es im Material gelesen und übersetzt hatte. »Es war, als würde die ganze Last plötzlich von mir genommen. Mein Herz wurde ganz leicht.«

Jordanien gilt als Gastgeber für viele Geflüchtete und die Konflikte unserer Nachbarländer spiegeln sich in den Beziehungen der Menschen in unserem Land wider. Als Team haben wir einen Kurs zum Thema Versöhnung entwickelt. Wir sprechen über Vergebung und Werte, die auf dem beruhen, was Jesus gesagt und gelebt hat. Zurzeit arbeiten wir mit privaten Schulen; gleichzeitig öffnen sich erste Türen zu öffentlichen Schulen.  

Während wir die große Vision vor Augen haben, dass Segen von Jordanien aus in die Nachbarländer fließt, freuen wir uns über die Früchte im Kleinen. Wir freuen uns über die Studentin, die mit neuem Blick auf ihren Konflikt zugeht. Über Kinder, die ihrem Gegenüber die Hand reichen, anstatt sich zu rächen. Über Eltern, die beginnen, ihren Kindern gegenüber freundliche Worte zu finden.  

Versöhnung – das ist unser Ziel und Wunsch für die Menschen in diesem Land und von ihnen ausgehend auch für die befeindeten Nachbarländer. Wir warten nicht darauf, dass die Regierungen diplomatische Lösungen finden, obwohl wir auch dafür beten. Wir wollen im Kleinen beginnen. Mit unseren Kursen wollen wir Kindern und Erwachsenen helfen, andere Wege zu wählen als Trennung und Rache.

Bei allem stützen wir uns auf den Tod und die Auferstehung Jesu. Er hat Hass und Rache auf sich genommen und den Weg geöffnet, dass wir Versöhnung mit Gott und miteinander erfahren können. Betest du mit für versöhnte Beziehungen in unserem Land?