September
Ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben.
Jeremia 29,11
»Bist du eine Ungläubige?«, fragt mich Dalia mit kindlicher Unschuld.
Im Islamunterricht hat sie gerade das Wort Kafir kennengelernt, das für »Ungläubige« steht. Weil ich eine Ausländerin bin, ist sie überzeugt, dass das sicher auf mich zutrifft. Die anderen Kinder unterbrechen sie sofort. Sie fürchten, ich könne mich beleidigt fühlen. Aber ich freue mich über die Gelegenheit, meinen Glauben mit den Kindern teilen zu können.
»Ich glaube auch an Gott«, sage ich und merke, wie plötzlich alle Kinderaugen erwartungsvoll auf mir ruhen. Ich erzähle ihnen von meinem Gott, der alles in seiner Hand hält – auch unsere Zukunft.
Aber was hält die Zukunft für diese Kinder bereit?
In einem Patenschaftsprojekt begleite ich Kinder und ihre Familien genau bei dieser Frage. Durch die Unterstützung ihrer Paten öffnen sich für sie neue Perspektiven: Sie können zur Schule gehen, weil Hefte, Stifte und Schuluniformen bezahlt werden. Sie erhalten Kleidung, können zum Arzt gehen und hier und da entstehen Gelegenheiten für besondere Momente durch Ausflüge oder gemeinsame Aktionen.
Und dennoch bleibt die Frage: Was hält die Zukunft?
Beim Einkaufen von Kleidung, beim Tee trinken in ihren Wohnungen oder bei kleinen Ausflügen verbringen wir viel Zeit miteinander. Auf ganz unterschiedliche Weise darf ich sie auf den hinweisen, der ihre Zukunft in seiner Hand hält. Besonders kostbar sind die Momente, in denen die Kinder selbst beginnen, Fragen zu stellen – so wie Dalia.
Die Paten und ich beten für sie und ihre Zukunft. Mein größtes Herzensanliegen ist es, dass sie nicht nur Hoffnung in besserer Bildung und neunen Chancen finden. Viel mehr wünsche ich mir, dass sie die Hoffnung entdecken, die über dieses Leben hinausreicht – die Zukunft und Hoffnung, die unser Herr ihnen anbietet.